Dr. Pero Mićić ist als Autor, Unternehmer, Berater und Redner im Feld Zukunftsmanagement tätig. Er ist einer der Gründer der Association of Professional Futurists, Vorsitzender des Beirats der European Futurists Conference, Beirat des Studiengangs für Futures Research an der University of Houston sowie Vorsitzender der Konferenz Internationales Trend- und Zukunftsmanagement. Am 3. Juli 2019 hält er die Keynote „Wovon leben Sie Morgen? Wie Sie Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz & Co. zu Ihren Chancen machen“ auf dem retail intelligence summit in Berlin.

Herr Mićić, wir freuen uns, dass Sie als Keynote-Speaker beim diesjährigen prudsys retail intelligence summit dabei sind. Sie beschäftigen sich mit der Zukunft von Unternehmen. Was macht für Sie Ihre Arbeit als Zukunftsmanager besonders spannend?

Meine Kollegen und ich können unsere unbändige Neugier auf das Neue und das Kommende jeden Tag befriedigen. Wir wissen früher als die meisten Menschen, was kommt, was bleibt und was geht.

Noch wertvoller und spannender ist es aber für uns, dass wir dafür sorgen und daran mitwirken, dass unsere Klienten eine bessere Zukunftsorientierung bekommen, eine klare Vision und Zukunftsstrategie bekommen und die Mitarbeiter in ihren Unternehmen zum Aufbruch in eine glänzende Zukunft überzeugen und motivieren.

Wenn Sie auf die Branche Handel schauen – was sind Ihrer Meinung nach mittel- und langfristig wichtige Entwicklungen, die ein Händler unbedingt auf dem Schirm haben sollte, um im Markt zu bestehen?

Ganz offensichtlich ist, dass reiner Handel, der sich auf die klassischen Handelsfunktionen beschränkt, immer weiter an Wert für die Kunden verliert und deshalb immer unrentabler wird.

Dazu kommt, dass praktisch kein Produkt wirklich unbedingt physisch gekauft werden muss. Früher dachte man, dass man Bekleidung physisch kaufen muss, was sich als Fehlannahme herausgestellt hat. Heute halten die meisten den Kauf eines Autos für unbedingt physisch. Dabei zeigt Tesla, dass auch das nicht stimmt.

Deshalb empfehle ich, zumindest als Denkmethode, die Identität als „Händler“ aufzugeben. Und sich dann die folgenden Fragen zu stellen:

  1. Welchen überzeugenden Nutzen bieten wir über die klassischen Handelsfunktion hinaus?
  2. Wie liefern wir diesen Nutzen auch in einem maximal digitalisierten Geschäftsmodell?
  3. Wie machen wir diesen Nutzen einzigartig, also konkurrenzlos?

Was denken Sie, wie werden wir in 10 Jahren einkaufen, zum Beispiel Lebensmittel, Kleidung oder Möbel?

Es kommt darauf an, wer „wir“ ist. Ich kaufe Lebensmittel seit mehreren Jahren online ein. Das funktioniert wunderbar und spart mir sowohl Zeit als auch Mühe. Ich gehe einfach meine Einkaufsliste durch und klicke an, wieviel ich wovon brauche. Dabei laufe ich mit dem Handy durchs Haus. Am Ende meiner fünfminütigen Tour klicke ich auf „bestellen“ und wähle den Lieferzeitpunkt aus. Das ist alles Gegenwart. Für die Zukunft ist nur offen, wie viele Menschen sich an diese Art des Lebensmitteleinkaufs gewöhnen. Es ist eine Frage der Diffusion, der Verbreitung. Dabei werden typischerweise die jüngeren und technisch aufgeschlosseneren Menschen in der Frühphase dabei sein und die eher konservativen und eher älteren Menschen in der Spätphase. Wer aber in seinem Umfeld erlebt, wie einfach ein solcher Einkauf ist, der wird möglicherweise gerade auch als älterer Mensch seine Skepsis überwinden und sich beschwerliche persönliche Einkäufe ersparen.

Da, wie gesagt, nichts unbedingt physisch eingekauft werden muss, gilt das alles analog auch für Bekleidung oder Möbel. Nur wenn man den Einkauf auch als Freizeiterlebnis empfindet, etwa um sich durch Gerüche und Berührungen inspirieren zu lassen, wird man noch physisch einkaufen. Offen ist nur, wie schnell sich die Gewohnheiten ändern.

Künstliche Intelligenz hält sowohl im Handel als auch nahezu jeder anderen Branche Einzug. Wie wird KI Ihrer Meinung nach unsere Arbeitswelt verändern?

Man ist gut beraten, davon auszugehen, dass alles, was der Mensch kann, heute schon oder bald die intelligente Maschine besser kann. Besser wahrnehmen, besser denken, besser lernen, besser kommunizieren, besser entscheiden und so weiter. Böse gefragt; wozu braucht die Maschine eigentlich noch den Menschen? Sie braucht den Menschen, um ihm oder ihr nützlich zu sein. Schließlich sind die intelligenten Maschinen ja für uns da. Und sie braucht den Menschen, um von ihm oder ihr entwickelt, betrieben und eingesetzt zu werden.

Doch sind die Fähigkeiten der Maschinen bis auf weiteres sehr spezialisiert. Es ist „schmale künstliche Intelligenz“. Was uns als Menschen auszeichnet, ist die Breite unserer Fähigkeiten. Deshalb werden wir nicht so viele Arbeitsplätze an die KI verlieren, wie manche befürchten. Aber wir werden viele Aufgaben an sie verlieren, oder besser delegieren können.

Im Ergebnis werden wir nicht weniger, sondern mehr Arbeit haben. Das einzige wirkliche Problem besteht darin, dass die Anforderungen an die Qualifikationen deutlich steigen werden. Dieses schnelle Lernen wird ein Teil der Menschen nicht leisten können oder nicht leisten wollen. Dann müssen wir eine Lösung finden, wie wir Einkommen neu definieren, damit nicht Millionen Menschen als „arbeitslos“ gelten, während im Arbeitsmarkt höchste Knappheit herrscht.

Die Welt, in der wir uns bewegen, erscheint uns so komplex und unbestimmt wie nie zuvor. Was können Sie Unternehmen mit auf den Weg geben für mehr Orientierung und Sicherheit?

In wenigen Worten gesagt: Eine klare Mission, Positionierung und Vision entwickeln und konsequent verfolgen. Wird das Umfeld komplexer und schneller, muss man sich fokussieren und konzentrieren, um in einem engeren Feld die Komplexität des Umfelds auch im eigenen Unternehmen zu spiegeln. Einfach gesagt, wir müssen weniger Verschiedenes tun, um es besser tun zu können.

Die Zukunftsstrategie, also Mission, Positionierung und Vision, muss zukunftsrobust sein. Dafür muss das Geschäftsmodell so konstruiert werden, dass es den absehbaren Trends und Technologien der nächsten Jahre entspricht und idealerweise davon profitiert. Das größte Problem ist hier, dass die Zukunftsannahmen vieler Entscheider zu sehr von Wunschdenken geprägt sind und zu wenig von systematischer Vorausschau. Niemand kann die Zukunft vorhersagen, aber jeder kann seine Zukunftsannahmen verbessern, indem man mehr und genauer auf die Trends und Technologien schaut und bereit ist, seine Überzeugungen dem Absehbaren anzupassen.

Nicht zuletzt ist erfolgsentscheidend, dass die Mitarbeiter in Unternehmen mehr denn je nach Orientierung suchen. Eine klare Mission gibt vor, welche wertvolle und begeisternde Aufgabe das Team hat. Die Positionierung erklärt, auf welche Weise man in einem Markt ein einzigartiges Angebot hat. Die Vision schließlich zeigt ein Bild, auf das man motiviert hinarbeiten kann. Diese drei Elemente einer Zukunftsstrategie werden in ihrer Bedeutung dramatisch unterschätzt. Sie können sogar das Wertvollste sein, was ein Unternehmen hat. Sie zu entwickeln und zu verbessern ist oftmals die rentabelste Investition, die man vornehmen kann.

 

Dr. Pero Mićić - Keynote Speaker auf dem retail intelligence summit Dr. Pero Mićić berät die Führungsteams und Strategen großer Konzerne und führender Mittelständler bei der Ausrichtung auf Zukunftsmärkte und der Entwicklung fundierter Szenarien, motivierender Visionen und wirksamer Strategien.

 

Erleben Sie Dr. Pero Mićić live auf dem prudsys retail intelligence summit am 3. Juli 2019 im nhow Hotel Berlin. Seine Keynote „Wovon leben Sie Morgen? Wie Sie Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz & Co. zu Ihren Chancen machen“ erwarten wir bereits mit großer Spannung. Seien Sie dabei! Sichern Sie sich noch heute Ihr Ticket!